Gedanken und Gebete in schwierigen Zeiten


Gottes Kraft geht alle Wege mit!“

Vor 75 Jahren, am 2.2.1945 wurde P. Alfred Delp SJ in Berlin hingerichtet. Aus der Zeit seiner Inhaftierung, von Juli 1944 bis zu seinem Tod hat er uns beeindruckende Tagebuchnotizen hinterlassen. Darin bringt er sowohl sein unbändiges Gottvertauen als auch seine bangen Fragen und Zweifel ins Wort. In so schweren und schwierigen Zeit, wie der unsrigen, können seine Gedanken uns helfen beim eigenen Beten und Ringen.

In drei Schritten wollen die Zitate von P. Delp zur persönlichen Betrachtung anregen. Im anschließenden Gebet werden sie mit der aktuellen Situation in Verbindung gebracht. Die vielfältigen Sorgen sollen darin vor Gott zur Sprache kommen. So kann das je eigene und gemeinsame Gebet gepflegt und auch als Netzwerk der Verbundenheit erfahren werden.


1. Die innere Ruhe

„In uns selbst strömen die Quellen des Heiles und der Heilung. Gott ist als ein Brunnen in uns, zu dem wir zu Gast und Einkehr geladen sind. Diese inneren Quellen müssen wir finden und immer wieder strömen lassen in das Land unseres Lebens. Dann wird die Wüste gewandelt. Ich will euch erquicken: Das alte Herrenwort wird vom strömenden Geist Gottes eingelöst. Von innen her wird uns die Kraft und die geistige Sicherheit und Überlegenheit kommen.  Wie oft habe ich dies erfahren in der Hetze und Gejagtheit dieser Monate, unter der Last und Übermacht: dass auf einmal die Frische und die Kraft von innen her aufgehen als morgendliche Sonne… . Wenn wir die inneren Quellen nicht finden, helfen uns keine Anspannungen und keine äußere Ruhe. Wo aber der Geist Gottes den Menschen anrührt, da gerät er über seine Maße hinaus, und es ist immer etwas von der heiligen Stille und seligen Ruhe, der erholsamen Ruhe der Gottesnähe, des Domes, der Waldlandschaft , der guten Freundschaft in ihm.“


Gebet

Du unser Gott, derzeit bedrängen uns viele offene Fragen. Stündlich neue Meldungen zum Corona Virus verunsichern, bedrängen und erschüttern uns heftig. Das öffentliche Leben ist erheblich eingeschränkt und gelähmt. Viele Menschen sind in großer Sorge um ihre Angehörigen und sich selbst. Vielen sitzt die Angst im Nacken vor dem, was noch alles kommen wird. Die Zahl der Erkrankten nimmt ständig erschreckend zu. Darum bitten wir dich um deine Nähe und Hilfe, deinen Beistand und Trost. 

Stärke du unser erschüttertes Vertrauen. Wende du die weit verbreitete, vielfältige und allgegenwärtige Not. Stehe du uns darin bei. Hilf uns, nicht zu verzweifeln, sondern besonnen zu bleiben, beharrlich und inständig zu beten, um so den Himmel zu bestürmen. Lass uns erfahren, dass dein Geist uns von innen her stärkt und beruhigt. Öffne unsere Sinne für jeden Lichtblick und Hoffnungsschimmer. Schenke und erhalte uns ein hörendes und mitfühlendes Herz, das lieber verwundbar bleibt, als hart oder kalt zu werden. 


2. Die äußerste Not

„Deswegen soll der Mensch auch in der äußersten Not die Zuversicht nicht aufgeben. Er soll bedenken, dass der Herrgott sein Leben teilt, dass er vom Heiligen Geist in die Intimität mit Gott berufen ist und so der Herrgott selbst nun die harten Zeiten und Strecken mit durchwandert, also die äußere Bedrängnis tragen hilft. Dass der schöpferische und heilende Geist Gottes in jeder  Wirklichkeitsfaser des Menschen gegenwärtig ist und von innen her mitlebt. Auch das leidende und verwundete Leben. Wenn der Glaube schwankt, die Hoffnung zerbricht, die Liebe erkaltet, die Anbetung erstarrt, der Zweifel nagt, der Kleinmut sich über alles Leben breitet wie das Leichentuch der Winterlandschaft, der Hass und die Anmaßung den inneren Atem würgen: dann ist das Leben auf den Tod verwundet. Dann ist es Zeit, umzukehren und den Geist von innen her neu bauen und schaffen zu lassen… . Wehe dem Menschen, der dann allein bleibt und nichts weiß von der inneren Nähe des Geistes. Der Mensch allein verzagt und versagt. Ich spüre es doch Tag für Tag, Stunde um Stunde: allein mit der Sache und Sachlage wäre ich schon längst innerlich erwürgt und erschlagen… . Und doch hilft mir der Geist Gottes immer wieder über die kleinen Stunden hinweg: ich weiß und spüre es. Allein hätte ich es schon lange nicht mehr geschafft. Gott heilt. Die heilende Kraft Gottes lebt in mir und mit mir.“


Gebet

Ja, Gott, du bist doch mit uns und bleibst bei uns in allem, auch in dieser schlimmen Zeit der Krise und äußersten Not. Kaum zuvor ist uns die Bedrohung und Gefährdung unseres Lebens so deutlich geworden, wie gerade in diesen unseren Tagen. Unser Leben ist aus seiner gewohnten Ordnung und seinen gewöhnlichen Abläufen geraten. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird, und wie es mit uns weiter gehen soll. Darum rufen, flehen und schreien wir zu dir, wie die Menschen in den Psalmen. Wie sie klagen wir dir unsere Not und schütten unsere Herzen bei dir aus. Du allein kannst uns letztlich helfen und heilen, trösten und retten. Du allein kannst uns aufrichten und beistehen, beruhigen und bewahren. Stärke uns im Vertrauen, dass wir in deiner Hand wahrhaft geborgen sind. Dein schöpferischer und heilender Geist wirke in uns und unter uns. Er schaffe in uns neuen Atemraum in aller Bedrängnis, inneren Halt in jeder Verunsicherung und festen Grund und Boden in jeder Erschütterung.


3. Die Wüste der Preisgegebenheit

„Wenn die inneren Lieder verklungen sind und die inneren Brunnen nicht mehr strömen und das weite Land des inneren Lebens zur Wüste geworden ist: Sand, Steppe und Stein.. Es gibt die persönliche Dürre, in die der einzelne geraten kann. Schließlich bleibt noch die Dürre, die uns überfällt als Ermüdung und Überanstrengung. Gottes Lasten können sehr schwer sein und seine Tage sehr dunkel und heiß. Und noch ein letztes mal gerät der Mensch in die Wüste: wenn Gott ihn in die Einöde der Prüfung und Auslastung schickt. Er soll ruhig gehen, aber inständig und treuherzig nach Gottes Hand greifen. Die Wüsten müssen bestanden werden, die Wüsten der Einsamkeit, der Weglosigkeit, der Schwermut, der Sinnlosigkeit, der Preisgegebenheit. Gott, der die Wüste schuf, erschließt auch die Quellen, die sie in fruchtbares Land verwandeln. Das flehende Herz und der vertrauende Sinn rufen seine Treue. Die Wüste gehört dazu… Allein und schutzlos den Winden und Wettern, dem Tage und der Nacht und den bangen Zwischenstunden preisgegeben. Und dem schweigenden Gott. Ja, auch dies ist eine, nein, es ist die Preisgegebenheit. Wir können dem Leben trauen, weil wir es nicht alleine zu leben brauchen, sondern weil Gott es mit uns lebt.“

 

Gebet

Gott, du Schöpfer des Weltalls, des Himmels, der Erde und eines jeden Menschen. Du weißt wie aufgewühlt wir derzeit sind, und wie ausgeliefert wir uns vorkommen. Du bist vertraut mit all unseren Gedanken und Gefühlen, Ängsten und Zweifeln, unserem Hoffen und Bangen, Kämpfen und Ringen. Darum strecken wir uns in dieser Krise aus nach dir, suchen wir bei dir Rat und Hilfe, tasten wir nach deiner Hand, um uns von dir berühren und halten zu lassen. Wir wissen nicht, wie lange die Durststrecke durch diese Wüste unserer Zeit noch dauert, was sie noch alles mit sich bringen wird. Wir spüren sehr deutlich, wie stark sie uns herausfordert. Was willst du uns damit zeigen oder lehren? Worauf willst du uns verweisen? Stärke du uns immerfort, damit wir die Belastungen ertragen und die Preisgegebenheit aushalten können. Hilf uns, Anteil zu nehmen und solidarisch zu sein in unserem Beten und Verhalten. Segne alle, die jeden Tag ungeheuer viel durchzustehen und zu bewältigen haben, in Sozialstationen, Krankenhäusern und Seniorenheimen, in der Pflege von Hauskranken und Alten, im Einsatz für die Grundversorgung der Menschen. Erweise du uns in allen Lebensbereichen deinen Beistand und Schutz. Bewahre du uns, o Gott, im Geheimnis deiner unzerstörbaren Treue. Deine Geistesgegenwart belebe und helfe uns! Deine Heilkraft stärke und erhalte uns! Dein Antlitz erleuchte und tröste uns! Dein Segen schütze und begleite uns! Amen.

Paul Weismantel 



Not Litanei

V/A O Gott komm uns zu Hilfe

In allen Nöten dieser Krise

In den unzähligen bangen Sorgen 

In den vielen offenen Fragen

In aller Verunsicherung und Erschütterung

In den starken Herausforderungen

In den vielfachen Belastungen

In jeglicher lähmender Ohnmacht

In den schwierigen Situationen

In allen Ängsten und Schrecken

Im unheimlichen Ausgeliefertsein

 

Mit der Heilkraft deines Geistes 

Mit dem Trost deiner Nähe

Mit den Verheißungen deiner Zusagen

Mit der Kraft des inständigen Betens

Mit der wachsenden Bereitschaft zu viel Geduld

Durch das ernsthafte Befolgen aller Einschränkungen

Durch den starken Willen zum Aushalten der Krise

Durch die Hoffnung zur baldigen Überwindung 

Durch Anteilnahme und Solidarität

Durch gegenseitige Ermutigung und Unterstützung

 

In deinem überreichen Erbarmen

In deiner mächtigen Fürsorge

In deinen ungeahnten Hilfsmöglichkeiten 

In deiner unerschöpflichen Treue 

In deiner unermüdlichen Anteilnahme

Mit deinen starken Armen

Mit deiner grenzenlosen Hoffnung 

Mit deinem Einsatz für uns Menschen 

Mit deiner göttlichen Gnade

Mit deinem reichen Segen

 

Paul Weismantel

 

Krisengebet

Das Corona Virus hat unser Leben 

mit seinen gewöhnlichen Abläufen

völlig verändert, lahm gelegt in

einen Not- und Ausnahmezustand.

 

Bedrückend und beängstigend,

erschütternd und bedrohlich

wirken die vielen, ständig neuen

furchtbaren Schreckensmeldungen.

 

Bange, noch unbeantwortbare Fragen 

beschäftigen uns Menschen und treiben

uns um. Wie geht es weiter? Was hilft?

Wie lange wird es dauern? 

 

Gott, dich rufen wir an. 

Dir klagen wir das Elend und die Not.

Dir stellen wir die endlosen Fragen.

Dich flehen wir an und bitten dich,

uns doch bitte bald zu helfen.

 

Dir, o Gott, vertrauen wir alle an,

die derzeit besonders schwer belastet und 

stark gefordert sind, bis an ihre Grenzen.

Dich bitten wir für die neu Erkrankten 

und alle, die sich um sie kümmern.

 

Dich, o Gott, bitten wir für alle,

die ungeheure Angst haben, 

selbst krank zu werden, oder 

daran sterben zu müssen.

 

Dir, o Gott, empfehlen wir auch

all jene, die bereits durch das Virus

gestorben sind und ihre Angehörigen,

die um sie trauern.

 

Wir fragen uns auch, o Gott,

was du uns mit dieser Situation 

sagen oder zeigen willst,

worauf du uns verweist, woran

du uns erinnern möchtest?

 

Du unser Gott, stärke du uns 

im Vertrauen und in der Hoffnung,

gib du uns den langen Atem der Geduld.

Schick uns deine Engel als Schutz.

 

O Gott, gib du uns die Bereitschaft, 

einander mit dem nötigen Abstand

beizustehen und zu unterstützen.

 

Hilf uns, die Anordnungen und 

Einschränkungen gewissenhaft 

einzuhalten, zum Schutz für alle.

 

Dir, o Gott und einander sind wir

im beharrlichen und inständigen Gebet

zuhause in unseren vier Wänden

durch deinen Hl. Geist verbunden.

 

Paul Weismantel


Die Textsammlung kann hier auch als PDF heruntergeladen werden und unter Angabe des Autors Verwendung finden.